Otto Dix
Otto Dix (1891–1969) war einer der kompromisslosesten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. In Dresden ausgebildet und durch seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg nachhaltig geprägt, verwandelte er sein persönliches Trauma in brutal präzise Darstellungen von Schützengräben, verwundeten Kriegsveteranen, Prostitution, Korruption und dem Überlebenskampf in der Stadt. In den 1920er Jahren wurde er zu einer zentralen Figur der Neuen Sachlichkeit. Mit der Technik der Alten Meister, prägnanter Zeichenkunst und beißendem Realismus entlarvte er die Gewalt und Heuchelei der Weimarer Gesellschaft. Werke wie „Der Schützengraben“ und der Radierungszyklus „Der Krieg“ machten den Krieg ohne Heldentum sichtbar, während seine Porträts gesellschaftliche Masken mit fast chirurgischer Präzision zerlegten. Unter dem NS-Regime wurde Dix von seiner Stelle an der Dresdner Akademie entlassen, als „entartet“ gebrandmarkt und dazu gezwungen, sich sichereren Themen zuzuwenden. Nach 1945 widmete er sich weiterhin religiösen, landschaftlichen und Nachkriegsthemen, doch sein Vermächtnis bleibt in seiner furchtlosen Weigerung verwurzelt, die moderne Geschichte zu beschönigen.