Ref: 3191

Golddose

Ref: 3191

Golddose

Hanau, 1810 - 1820
Gold und Emaille
8.2 cm (3 ¹/₄ inches)
93g - 14 Karat Gold
Beschreibung: Goldene Email-Tabatiere
Hanau, um 1810–1820
Rechteckige Tabatiere mit gerundeten Ecken. Der Deckel ist mit einer Emailplakette verziert, die „Jupiter und Kallisto“ nach einem Gemälde von Angelica Kauffman (1741–1807) darstellt. Die Einfassung ist ziseliert mit Schleifen, Köchern, Jagdhunden sowie rankendem Blattwerk und Blüten. Frontal mittig sichtbar ein sehr feines Emaille Oval mit dem Thema Callisto.
Seitenwände und Unterseite zeigen ein guillochiertes Dekor. Offenbar ungemarkt.
Länge: 8,2 cm
Bruttogewicht: 93 g (14 Karat Gold)

Die emaillierte Szene zeigt Jupiter, der – als Diana verkleidet – Callisto verführt; sie basiert auf einem Gemälde von Angelica Kauffman aus ihrer Zeit in Großbritannien (1766–1781). Bekanntheit erlangte das Motiv durch einen Kupferstich von Thomas Burke (1749–1815). Die klassische Verführungsszene zeigt ungewöhnlicherweise zwei in gleichermaßen leuchtende Farben gekleidete Frauen in einer innigen, einvernehmlichen Umarmung; Jupiter ist auf der linken Seite mit allen Attributen der Diana dargestellt, jedoch an seinem Symbol – dem hinter ihm stehenden Adler – als solcher erkennbar.

Kallisto (altgriechisch Καλλιστώ Kallistṓ), deutsch ‚die Schönste‘ war in der griechischenMythologie eine Nymphe aus dem Umfeld der Jagd- und
Naturgöttin Artemis. Sie wurde von Zeus in Gestalt der Diana verführt.
Aufgrund des Geschlechtsverkehrs mit Zeus wurde sie mit Arkas schwanger.
Deshalb wurde sie aus Eifersucht von Hera (Zeus Ehefrau) in eine Bärin verwandelt und später zum Sternbild als „Großer Wagen/Bär“ ans Firmament versetzt.

Der Mythos nach den Metamorphosen des Ovid
NachdemPhaetonschweren Schaden auf der Welt und im Himmel angerichtet hat, überprüft der allmächtige Vater Jupiter, wie groß die Schäden sind, und richtet gegebenenfalls beschädigte Landschaftsteile wieder her. Dabei liegt ihmArkadienbesonders am Herzen. In eben diesem Arkadien erblickt er eine Jungfrau, die nicht nur wunderschön ist, sondern sich auch rasch durch Erscheinung und Verhalten alsNympheder GöttinDianaentpuppt. Jupiter wartet, bis die schöne Nymphe, von der Jagd und der Mittagshitze erschöpft, sich zum Ausruhen hinlegt. Er möchte ihre Erschöpfung umgehend ausnutzen. Anders als noch bei Io, die er zuvor durch direkte Anrede in die Flucht trieb, nimmt er nun die Gestalt von Diana an, der Kallisto treu ergeben ist. Somit hegt die Nymphe keinerlei Misstrauen und wird von der „falschen Diana“ überrumpelt.
Kallisto ist nun völlig wesensverändert. Beinah flieht sie auch vor der echten Diana, weil sie erneut Jupiter fürchtet. Allerdings bemerkt sie an den anderen Nymphen, die der Göttin folgen, dass es sich um die echte Diana handelt. Doch obwohl sie vorher noch sozusagen die rechte Hand der Göttin war, ist sie nun still und zurückgezogen. Weder die Wesensveränderung noch die Schwangerschaft wird von Diana registriert. Zumindest für letzteres bietet ihre eigene Jungfräulichkeit die Erklärung. Die anderen Nymphen jedoch bemerkten die Schwangerschaft, wodurch offenbar wird, dass sie wohl trotz Keuschheitsgelübde erotische Erfahrungen gesammelt haben. Es gelingt Kallisto gar, bis kurz vor der Entbindung ihre ungewollte Schwangerschaft zu verbergen. Bei einem gemeinsamen Bad mit Diana und den anderen Nymphen zögert sie aber, bis ihr von den anderen Nymphen die Kleider entrissen werden und ihr Mutterleib offenbar wird. Unverzüglich wird sie von Diana verstoßen. Nachdem Kallisto kurz darauf ihren SohnArkasgeboren hat, trittJunoauf den Plan. Die Gattin von Kallistos Schänder wurde bereits in der Vergewaltigungsszene unheilvoll angekündigt und sinnt eifersüchtig auf Rache, für die es nun keines Aufschubs mehr bedarf.
Juno kehrt die Schuld also von Jupiter auf Kallisto um und verwandelt, gemäß ihrer Drohung, die schöne Nymphe in eine grässliche Bärin. Als solche wird ihre Wesensveränderung, die sich schon direkt nach der Vergewaltigung gezeigt hat, verbildlicht. Obwohl sie nun eine Bärin ist, fürchtet sie vermeintliche Artgenossen, sogar die Wölfe, unter denen ihr VaterLykaion(vonλύκοςlýkos, deutsch‚Wolf‘) weilt.
Als Kallisto nach fünfzehn Jahren auf ihren Sohn Arkas, der nun Jäger ist, trifft, will sie ihn umarmen, dieser aber das vermeintlich wilde Tier töten. Jupiter greift ein und versetzt Kallisto als das Sternbild desGroßen Bärenund Arkas als das desKleinen Bärenin den Himmel. Juno erzürnt erneut. Mit einer absurden Rede, dass Kallisto sie aus ihrem Ehebett stoßen und ihren Platz als Königin des Olymps einnehmen würde, erwirkt sie beiOkeanosundTethys, dass die beiden Sternbilder niemals in das erfrischende Meer eintauchen dürfen; daher werden sie zuzirkumpolarenSternbildern.
Rezeption der ovidischen Überlieferung
Der Kallistomythos nach Ovid diente vielen bildenden Künstlern, Autoren und Musikern alsInspirationsquelle. Allerdings machtKonrad Heldmanndarauf aufmerksam, dass Künstler oft die Vergewaltigung in eine erotische Liebesgeschichte umkehren und Zeus, statt als Schänder, als glamourösen Verführer darstellen. Diese Verklärung gehe so weit, dass auch renommierte Nachschlagewerke nicht deutlich genug oder überhaupt nicht von einer Vergewaltigung sprächen.

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